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Blog von

leben in bezug
Jürgen Degner

Wissenswertes zu den Themen
Beratung, Therapie, Bindung,
Entwicklungstrauma und Beziehung

 

 

05.08.2018
Jürgen Degner

Kommunikation auf Sachebene ist entwürdigend

 


Immer wieder hört man „bleib doch sachlich“.
In vielen Kommunikationstrainings wird genau das vermittelt, auf der Sachebene bleiben.

Im beruflichen Umfeld und im privaten zeigt sich immer wieder, dass Gespräche scheitern,
wenn sich die Beteiligten auf die Sachinhalte beschränken.

Was haben wir für ein Menschenbild!

Wir behandeln uns wie Maschinen wenn wir die Beziehungseben „ausschalten“.

Vor allem im Konflikt führt das Bemühen um Sachlichkeit zu verkrampftem aneinander-vorbeireden.
Das worauf es ankommt, zum Beispiel was den anderen verletzt, gekränkt oder geärgert hat,
kommt nicht zur Sprache. Das Zwischenmenschliche geht verloren.
Aber nur darum geht es – das was sich zwischen Menschen abspielt.
Ohne die Beziehung zwischen den beiden Seiten zu klären und auf dieser Ebene
wieder eine gemeinsame Basis zu finden, wird es keine Einigung auf der Sachebene geben.
Fehlt ersteres, werden Sachthemen meist unbewusst missbraucht,
um den eigentlichen Konflikt auszutragen.

Sachlichkeit will also das Gefühl aus dem Gespräch verbannen – warum?
Vermutlich aus Angst vor der Eskalation.
„Bleiben wir doch sachlich“ ist kein neutraler Apell sondern ein Angriff,
der gleichzeitig eine Abwertung enthält:
Er unterstellt dem anderen Unsachlichkeit und Inkompetenz.

Die Motive für Sachlichkeitsapelle in den Kommunikationsratgebern sind dagegen verständlich:
Wo Emotionen zugelassen werden, können Konflikte eskalieren.
Dies umso mehr, wenn Emotionen lange zurückgehalten wurden.
Genau das ist meistens der Fall weil wir immer ungeübter in der rechtzeitigen Wahrnehmung
und Artikulation unserer Gefühle sind.

Die Kunst der Gesprächsführung besteht nicht in der Sachlichkeit sondern in der Verbundenheit
mit sich selbst und dem Gegenüber.
Dazu braucht es vor allem eine gut geschulte Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion.
Dadurch bin ich in der Lage, meine Wahrnehmungen differenziert wahrzunehmen.
Gute Gesprächsführung lebt nicht von Technik, sondern davon,
sich mit seinen Resonanzen zu zeigen, sich ggf. zuzumuten.
Dann entsteht echter Kontakt.
Diese Art von Kontakt ist die Basis für die oben erwähnte Beziehungsebene.
So entsteht die Chance, voneinander zu lernen.
Das erfordert, sich Zeit zu lassen und eröffnet die Möglichkeit sich näher zu kommen.

Damit hätte sich so manche Schuldfrage erledigt.

 

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